“Yoga gibt mir Offenheit & ein größeres Verständnis” – Interview mit Beate Tschirch – Yogalehrerin & Mutter

Beate Tschirch

Für mich gibt es nichts Inspirierendes als wunderbare, starke Frauen die ihr Ding machen. Beate Tschirch ist Yogalehrerin, Künstlerin und Mutter von zwei Mädchen, Lynn und Jula. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Wiesbaden, wo sie bei Unit Yoga unterrichtet. Außerdem steht Beate gern vor und hinter der Kamera wie ihr hier sehen könnt.

Beate Tschirch

Ich freue mich sehr, dass Beate sich Zeit genommen hat ein bißchen über ihr Yogamami-Dasein zu plaudern!

Was kam zuerst in Dein Leben – Yoga oder Deine beiden Kinder?

Beate: Ich hatte schon immer ein Interesse an spirituellen Themen, an dem wie wie ich das Leben besser meistern kann. Besuchte Schweigeseminare, beschäftigte mich mit verschiedenen Kulturen etc. Die Yogapraxis als rein körperliche Betätigung kam erst als meine Jüngste etwa 4 Jahre alt war.

Haben Deine Mädels auch Spaß am Yoga?

Beate: Ich habe mal probiert sie zum Kinderyoga zu motivieren, das machten beide leider nicht. Jetzt wo sie aktive Cheerleader sind, werden Themen wie Spagat, Handstand, Drop back mit mir zu Hause auch geübt. Seit einiger Zeit versuchen wir uns auch am Acroyoga, was jede Menge Stoff zum lachen bringt.

Welche Art von Yoga unterrichtest Du und warum?

Beate: Ich unterrichte das, was ich selbst am liebsten mag, und was sich für mich am besten anfühlt.
Auf meinem Weg habe ich viele verschiedene Stilrichtungen ausprobiert. Für meinen Körper fühlt es sich am besten an, wenn ich Atmung und Bewegung miteinander kombiniere. Wenn ich lange eine Position halte und mich zusehr darauf konzentriere, dass jeder Muskel an der richtigen Stelle ist, beginne ich zu verkrampfen und werde statt geschmeidiger nur fester.
In meiner Praxis entsteht ein Puls, der dem des Lebens entspricht und ich kann den Atem tiefer in den Körper lenken.
So zum Beispiel im Pranflow nach Shiva Rea. Ebenso liebe ich Yoga mit Musik zu verbinden (Insideflow).
Außerdem mag meinem Körper neue Herausforderungen anbieten, Bewegungen, die er noch nicht kennt.

Mit Kindern gibt es kein “schnell”

Du unterrichtest auch Schwangeren-Yoga. Was möchtest Du den Bald-Mamas die Deine Stunden besuchen mit auf den Weg geben?

Beate: Wer zum Schwangeren Yoga kommt, hat meist noch keine Kinder, die Mamas die zum zweiten oder dritten Mal ein Kind erwarteten, haben leider eher weniger Zeit dafür. So möchte ich den Nicht-Mamas, die aus ihrem stressigen Beruf in meinen Kurs kommen zu allererst das Tempo nehmen. Mit Kindern gibt es kein “schnell”. Ein Kind kann sich stundenlang an einer Schnecke aufhalten, die den Weg kreuzt oder einer Seifenblase zugucken, wie sie durch die Luft fliegt und die Farbe ändert. So unterrichte ich viele erdende Asanas, die aber trotzdem sehr kraftvoll sind, um spürbar zu machen, wie gut es tut mit beiden Füßen fest auf dem Boden zu stehen und für sich selbst verantwortlich zu sein. Dazu kommt das die Schwangeren ein Gespür für ihren Körper entwickeln sollen und möglichst intuitiv herausfinden, was ihnen gerade heute gut tut.

Beate Tschirch

Du bist viel auf Retreats und Workshops in Deutschland unterwegs – freuen sich Deine Teenagermädchen dann, das sie sturmfrei haben?

Beate: Naja, sie sind ja nicht allein, der Papa ist ja auch noch da. Und meistens wollen sie auch viel lieber mit. Mit der Technik die es gibt, ist es sehr leicht im Kontakt zu bleiben, jeden Abend skypen wir, wo man auch schon mal fürs Diktat übt oder Vokabeln abfragt. Und dann gibt es ja noch What’s App.

Du scheinst ein sehr kreativer Mensch zu sein: Eigentlich bist Du Designerin, neben dem Yoga betreibst Du noch ein Schmuck-Label, fotografierst und drehst mit Eva Klein tolle Yoga-Videos und dann noch die Familie… Was davon machst Du denn am Liebsten?

Beate: Das eine bedingt das andere. Ich muss immer machen. Es gibt kaum Momente in denen ich nur still sitze, das geht nur nach einer ausgeprägten körperlichen Anstrengung. So waren für mich schon als Kind, Dinge wie malen und kreativ sein, ein meditativer Prozess. Fotografieren zum Beispiel: in den Morgenstunden rausgehen, die perfekten Platz finden und alles einrichten und dann dem Licht zugucken, wie es sich verändert und dabei den Auslöser drücken. Das ist Meditation. Oder Perlen auffädeln. oder oder oder…. ein eintauchen in den Moment, das mache ich am Liebsten.

Die Videos von Dir und Eva Klein sind echt cool! Was ist die Intention dahinter?

Beate: Ich habe einen Faible für Technik und habe wirklich Spass daran etwas neues auszuprobieren und zu lernen. Im Studium hatte ich mich auf Film spezialisiert, aber die Technik damals war extrem behäbig, schwer und vor allem auch mit viel Aufwand verbunden. Heute kann ja jedes Handy schon filmen. Ich habe einfach Spass daran, die Momente filmisch für mich festzuhalten und wenn es noch anderen gefällt: umso besser.

Beate Tschirch

Und wie sieht Deine eigene, ganz private Yogapraxis aus?

Beate:

Ganz wichtig:
JEDEN TAG!!!!! ohne Ausnahme.
Ich übe jeden morgen ca. 20-30 min, was nur dazu dient meinen Körper in Schwung zu bringen, da ich einen extrem niedrigen Blutdruck habe und ein Morgenmuffel bin. Dies sind sehr sanfte Übungen, die die Wirbelsäule mobilisieren, die Gelenke ein wenig geschmeidiger machen und die Atmung in jede Zelle zu lenken.
Etwa 5 x die Woche kommt dann nachmittags oder mittags eine wirkliche Trainingseinheit dazu. Ich habe meist konkrete Langzeitziele in meiner Praxis. Zuerst erwärme ich mich ein wenig, mit fließenden Vinyasa und gehe dann ganz gezielt an meine zu übenden Asanas.
Das ist sehr hilfreich, da ich so wirklich step by step mir meine Praxis erweitere, selbst lerne und auch mal das ein oder andere Erfolgserlebnis habe. Es lehrt Geduld, denn lassen sich Königstaube, Spagat und Handstand nicht in zwei Stunden lernen. Und dann gibt es auch gleichzeitig Freude, wenn ein ersehntes Ziel nach 3 Jahren endlich erreicht wurde. Wobei es mir denn nicht um den Handstand, zum Beispiel, an sich geht, sondern um den Prozess des Auf und Abs, des ich mach nicht weiter und schmeiss alles hin, und letztlich doch seine Grenzen zu erweitern.

Yoga gibt mir Offenheit und ein größeres Verständnis

Wo hilft Dir Yoga im Familienalltag?

Beate: Yoga hilft mir, jedes Mitglied meiner Familie als Individuum zu spüren und da abzuholen, wo er/sie gerade ist. Genau zuzuhören und dazu ermuntern sich selbst kennenzulernen. Nicht das ich als Mama den Weg vorgebe, sondern das ich unterstützend da bin, bei der Verwirklichung der Wünsche. Auch wenn ich als Ego es anders machen würde. Yoga gibt mir Offenheit und ein größeres Verständnis.

Hast Du ein Mantra für das Leben als Mami-on & off-the-mat?

Beate: Sich mit anderen zu vergleichen – das ist der Dieb unserer Freude.

Vielen Dank für Deine Zeit, liebe Beate!

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