Warum mich das Mutter-Sein zu einer besseren Yogalehrerin macht

besseren Yogalehrerin

Seit ich Mutter bin, bin ich auch eine bessere Yogalehrerin.
Klingt unplausibel? Macht für Dich keinen Sinn? Du fragst Dich warum?
Das kann ich Dir sehr gerne erklären:

  1. Prioritäten und Selbstvertrauen

    Wenn Du ebenfalls Yoga unterrichtest, kennst Du vielleicht dieses Gefühl, wenn ein Schüler auf Dich den Eindruck macht, als hätte ihm Dein Yogaunterricht nicht sonderlich zugesagt.
    Vielleicht ein nervöses Hüsteln – immer wieder während der Stunde.
    Ein kritisch-fragender Blick als Antwort auf Deine Anleitungen.
    Die deutliche Ablehnung von bestimmten Asanas oder Assits…
    Eben so ein paar Verhaltensweisen, die Dich kurz ein wenig unsicher werden lassen.
    Oder Du hast einen dieser Tage, an dem der Fluss Deiner Wörter nicht so recht in Gang kommen will – und Du schrecklich oft “mmmh” sagst, oder rechts mit links verwechselst oder Dich versprichst…

    Wenn es im Yogaunterricht mal nicht rund läuft, ist das eigentlich kein Drama, oder?

    Bevor ich Mutter geworden bin, war es mir immer äußerst wichtig, dass alle – ja wirklich jeder Schüler, meinen Unterricht toll findet. Ich habe mir immer gewünscht, dass alle Teilnehmer transformierende Erlebnisse in meinen Stunden haben. Mein Wunsch war es, dass die Leute mich mögen und gerne in meine Yogaklassen kommen.

    Als ich dann nach meiner Babypause wieder ins Studio zurück gekehrt bin, habe ich festgestellt, dass irgendwas anders ist.
    Ja, das irgendwas fehlt.
    Nämlich diese leicht nervöse Erwartungshaltung, wenn mein Blick nach dem letzten Om durch die Reihen gleitet. “Hat es auch Jedem gefallen?”
    Dieser Gedanke war einfach nicht da.
    Vielmehr waren da mehrere Dinge in meinem Kopf: “Oh, ich hab ein bisschen überzogen, jetzt muss ich schnell nach Hause und den Babysitter erlösen.” und “Hey, dafür dass ich mich kaum auf die Stunde vorbereitet habe, war das eine echt tolle und tiefgehende Klasse.”
    (Ich bin übrigens nicht die Einzige Yogalehrerin, die diese Erfahrung gemacht hat. Ranja Weis hat mir in ihrem Interview mehr erzählt.) 

    Es gibt da jemanden, der liebt mich so wie ich bin.

    Zuhause wartet mein Baby auf mich. Der Mensch, der derzeit meine absolute Priorität ist. Yoga hat in meinem Leben einen hohen Stellenwert, ja ich bin wirklich ein bisschen süchtig nach Yoga – aber durch das Mama-Dasein hat sich eine veränderte Rangfolge ergeben.
    Und noch mehr ist passiert. Zauberhafter Weise fühle ich mich durch dieses “Mich-selbst-und-meine-Yogastunden-nicht-allzu-wichtig-nehmen” ein neues, tiefes Vertrauen in mich selbst. Die Erfahrung, Mutter zu sein, schenkt mir persönlich auch mehr Selbst-Bewusstsein.
    Ich dachte eigentlich nie, dass es mich “kompletter” machen könnte, Mutter zu sein. (Hättest Du mir das vorher gesagt, ich hätte Dir den Vogel gezeigt… ehrlich…)

    Ich freue mich, dass die Leute nach wie vor sehr gerne in meine Stunden kommen. Ich bin happy über die positiven Rückmeldungen und über die Freude, dass ich wieder zurück im Studio bin.
    Aber es ist mir völlig schnuppe, wenn jemand mal nicht zufrieden sein sollte.
    Denn das ist total in Ordnung und es wird wahrscheinlich immer wieder mal vorkommen. Ich und mein Yogaunterricht muss niemanden gefallen, aber es ist schön, dass es wohl vielen Yogis und Yoginis gut tut.

  2. Mit dem Fluss gehen

    Um meine “transformierenden” Yogastunden zu halten, habe ich mich immer eingehend darauf vorbereitet. Ich habe ein Thema kreiert, passend zur Jahreszeit oder zum Klassenspirit. Ich habe ein Notizbuch nach dem anderen mit Yogaflows gefüllt. Die Klassen habe ich auch nachbereitet und mir dazu Dinge notiert.
    Und jetzt?
    Jetzt überlege ich mir den Spirit und den Flow für die Klasse während ich zu meinem Unterricht radel.
    Und das Ergebnis war bis jetzt immer super!
    Oft frage ich auch einfach die Teilnehmer, was sie für ein bestimmtes Bedürfnis haben und gehe auf die Wünsche ein.
    Und dann kreiere ich während des Unterrichtens eine interessante Klasse die genau auf die Teilnehmer und ihr Können abzielt. Die sich ganz dem Spirit der Yogis und dem Energielevel des Tages widmet.
    Eine Klasse, bei der ich am Anfang keine Ahnung habe, wie sie am Ende aussehen wird.

    Als Mutter lernst Du mit dem Fluss zu fliessen – so stark war die Strömung in meinem Leben noch nie.

    Mit einem kleinen Baby bist Du ab dem ersten Moment davon abhängig, was der kleine Mensch für Wünsche hat. Es will essen, also stillst Du oder gibst die Flasche. Es ist müde, also singst und wiegst Du es in den Schlaf. Es möchte bespaßt werden, also denkst Du Dir lustige Reime und Fingerspiele aus. Und Du hast keine gesetzlich vorgeschriebene Pause, es geht einfach immer weiter. 24 Stunden am Tag und in der Nacht.
    Du hast Dir vorgenommen zu Deinem Treffen pünktlich zu kommen und gerade beim Verlassen des Hauses wird die Windel gefüllt?
    Während der Autofahrt brauchst Du 20 Minuten länger, weil Du viermal anhältst um immer wieder den Schnuller zu installieren?
    Den entspannten Mädelsabend musst Du leider absagen, weil Dein Kind fiebert?
    Du Dich gerade mit Deinem Partner an den Tisch zum Essen gesetzt und dann quäkt das Babyphone?
    Ja, Du musst dich einfach dem Fluss hingeben und mitgehen. Dich so für Neues öffnen und in Sekundenschnelle auf Veränderungen reagieren.

    Wenn ich also jetzt feststelle, dass meine Yogastunden trotz mangelnder Vorbereitung überzeugen, dann liegt es auch an meiner geschulten Fähigkeit mit dem Flow zu gehen, anstatt mich dagegen zu wehren.
    Und auch dass, habe ich meinem Mama-Dasein zu verdanken.

  3. Meine Mega-Motivation: Endlich mal Abwechslung im Mama-Alltag

    Ich freue mich immer riesig, wenn ich mal wieder in meine Yogahosen steigen darf, mich aufs Fahrrad setze und zu meinen Yogastunden radle. Dort angekommen genieße ich die Studio-Atmosphäre: Ein bisschen Yogaklamotten gucken, ein bisschen Tee trinken oder mit den anderen Yogis (und Yogamamas) quatschen.
    Wenn die Stunde startet spüre ich beim ersten Satz bereits, ich bin völlig in meinem Element! Oder wie es eine Yogaschülerin von mir letztens nach der Klasse so schön sagte: “Hier kannst Du wieder ganz Du selbst sein.”
    Wie recht sie hat!
    Endlich darf ich Baby-Lätzchen gegen Yogamatte und Krabbelgruppe gegen Yoga-Sangha eintauschen.
    Muss mich nicht um die nächste Mahlzeit, Windel wechseln, das in den Schlaf wiegen und sonstige Mama-Verpflichtungen kümmern – sondern darf mich ganz meiner Aufgabe als Yogalehrerin widmen.
    Und das schenkt mir eine Motivation die sich zu 100% in meiner Ausstrahlung, in meiner Laune und in meinem Unterricht niederschlägt.
    Denn wenn ein Lehrer gerne unterrichtet – dann spüren das auch die Schüler. Wenn Du dafür brennst, was Du tust – dann kannst Du andere so viel mehr in Deinen Bann ziehen.
    Und nach der Stunde komme ich dann entspannt, erfrischt wieder zurück nach Hause und habe wieder neue Energie für den Alltag mit Baby. Eine Win-Win-Situation also!

Wenn Du Dich jetzt fragst, warum ich erst Mutter werden musste, um so weit in meiner Entwicklung zu kommen, dann war das wohl genau der richtige Weg für mich. Und für jemand anderen gibt es einen anderen Weg.
Und vielleicht hast Du ja sogar ähnliche Erfahrungen gemacht? Gibt es einen Bereich in Deinem Leben, der sich als Mama verändert hat?
Ich freue mich auf Deine Geschichte! <3

Related Post

Schwanger dank Yoga? Kinderwunsch mit Fruchtbarkei... Immer wieder kommen Frauen in meinen Yogaunterricht, die einen bisher unerfüllten Kinderwunsch haben. Sie erhoffen sich von Yoga den langersehnten Erf...
Mein Baby ist pures Sattva! Vor kurzem habe ich mein schlafendes Baby betrachtet: Sein friedlicher Gesichtsausdruck, sein tiefer, ruhiger Atem, sein kleiner Körper - alles wirkte...
Reinigende Frühlings-Rituale mit der ganzen Famili... Jetzt im März und April gibt es viele Gelegenheiten für Rituale im Frühling mit der ganzen Familie. Lass Dich von meinen Vorschlägen inspirieren oder ...

2 Replies to “Warum mich das Mutter-Sein zu einer besseren Yogalehrerin macht”

  1. Ich kenne das alles nur zu gut 😄 Meine Kids sind 5 Jahre und 8 Monate alt. Ich habe gerade ein mieses Zeitmanagement und komme nicht zu Yogalektionen der klassischen Art. ABER ich lebe mehr Yoga. Bewusst mit viel Pranayama aber nur wenig Asanas, bewusst, bei mir und den Kindern… So gut es geht. Und lerne jeden Tag wieder dazu. Von der Großen und dem Kleinen und versuche sie zu lehren, dass wir alle Teil des Großen und ganzen sind und jedes Lebewesen etwas Magisches in sich trägt

    1. Liebe Mandy, vielen Dank für Deinen Kommentar! Du hast völlig Recht – die Magie ist einfach überall, wir brauchen bloß ein Auge dafür und dann können wir Yoga auch in all seinen Facetten leben. Super Statement, alles Liebe Dir und Deiner Family! <3

Schreibe einen Kommentar