Warum Mama-Sein pures Yoga ist

Mein Yogababy ist gestern genau 6 Monate alt geworden und mein ganz frisches Blogbaby ist jetzt 2 Wochen alt. Und: I´m back in the game! Ich habe das erste Mal wieder Yoga unterrichtet.


Während mein Yogababy 38 Wochen in mir gereift ist, sah es mit dem Blogbaby ein bisschen anders aus. Das habe ich eher aus der Hüfte geschossen. Die letzten 6 Wochen hat das Thema in mir gegärt und musste jetzt einfach ans Licht der Welt. Soviel Ideen und Inspirationen schwirren mir im Hirn herum, denn während Schwangerschaft und Mama-sein, ist mir Yoga auf anderer Weise als bisher begegnet:

Ich wollte auch mit dickem Bauch meine Yogaklassen weiter unterrichten und wollte auch gerne eine kraftvolle Praxis beibehalten. Es hat mir imponiert, eine schwangere Yogini bei einer 108-Sonnengrüße-Veranstaltung im Yogastudio zu sehen – sie hat 108 mal Up-Dog gemacht – und ich dachte, so werde ich auch.
Haha, so war ich nicht. Ich hatte sogar in der childs pose das Gefühl alles drückt und zwickt und ganz schnell hatte ich für jede Phase der Schwangerschaft ein paar Lieblingsasanas, die mir gut taten. Anstatt mich also vom Bild der vermeintlich perfekten Yogaschülerin leiten zu lassen, habe ich mich dem Fluss hingegeben. Das war verdammt gut und hat mich zu meiner ersten Erkenntnis geführt, die Du auch im Yogasutra nachlesen kannst:

Los-lassen

1.12. Yogasutra
Durch Üben und durch die Fähigkeit loszulassen kann unser Geist den Zustand von Yoga erreichen

Und wenn das Baby dann da ist, begegnet Dir Deine Yogapraxis auf eine andere Weise.
Los-lassen, Nicht-anhaften – zum Beispiel an dem Wunsch die morgendliche Yoga-Routine weiter fort zu führen. Denn morgens auf die Matte is´leider nicht. Am Abend ins Yogastudio? In den ersten Wochen wohl kaum. Als ich den Wunsch habe gehen lassen, ergaben sich andere Möglichkeiten für mich auf die Matte zu finden.
Und das Blog-Baby? Das ist Blog nicht “high-glossy” und ich bin noch ganz am Anfang. Dazu habe ich auch noch gar keine Ahnung wo es eigentlich hin geht. Ich bin auch keine Journalistin. Meine Beträge habe auch nicht immer genau 1500 Zeichen. Weil ich meine Beiträge mal eben zwischen Wäsche waschen, Essen und duschen schreibe, während der Kleine schläft. Und weil ich finde, wir Mamas haben eh so wenig Zeit, da muss die Informationsvermittlung einfach kurz und knackig sein.

Vertrauen

1.20 Yogasutra
Es ist Vertrauen, das uns die notwendige Kraft gibt, Widerstände erfolgreich zu überwinden und weiterzugehen, ohne die Richtung aus den Augen zu verlieren.

Unsere ersten Tage und Wochen als Familie waren hart. Wenig Schlaf und viel Unsicherheit. Wenig Ahnung und viele Fragen. Zueinander zu finden und anzukommen waren unsere Herausforderungen in dieser Zeit. Mit jedem guten Tag und jeder guten Nacht wächst das Vertrauen in die eigene Stärke, dass das was ich mache, richtig ist. Das mein Gespür richtig ist. Das die Phase vorbei gehen wird. Vielleicht kannst Du das bestätigen, aus einer schwierigen Phase geht man gestärkt heraus, so dass auch die nächste Hürde einfacher zu nehmen ist, weil man das Vertrauen in die eigene Kraft hat.
Und deswegen gibt es auch diesen Blog: Denn ich bin mir sicher, dass da draußen noch mehr Yogamamis wie ich rum laufen und meine Leidenschaft, Yoga und Mama-sein zu verbinden, teilen.
Mir hat es so sehr geholfen, mich mit anderen Mamas zu verbinden und auszutauschen. Die Feststellung, ich bin nicht allein, andere erleben die gleichen Dinge, erleichterte mich.

Zufriedenheit

2.42 Yogasutra
Tiefe Zufriedenheit lässt uns grenzenloses Glück erfahren.

Und ist eine Hürde überwunden, dann stellt sich tiefe Zufriedenheit ein. Bei mir war das nach den überstandenen ersten 3 Monaten. Baby schreit weniger, ist zufriedener mit sich und der Welt. Ich kann das Haus abends wieder verlassen, ohne minütlich das Handy zu checken und auf den verzweifelten Anruf von Papa zu warten.
Zufrieden macht es mich auch, diesen Blog zu kreieren. Mal wieder was für mein Brain zu tun, statt Brei zu kochen. Text zu verfassen, statt Reime aufsagen und Lieder singen. HTML-Codes schreiben, statt Baby-Sprache sprechen.

Bhakti, Baby!

Nicht zuletzt ist Mama- und Papa-Sein pures Bhakti. Denn das Leben als Eltern ist die absolute Hingabe an dieses Wunder-Wesen in Deinen Armen, in das Du Dich jeden Tag auf´s neue verliebst. Der Yogi denkt an Bhakti – die Hingabe an das Göttliche.

Diese Aufzählung ist absolut unvollständig, denn Yoga findet sich in unserem Alltag überall – ob Mama oder nicht. Und ob Du jetzt mit Yogaphilosophie was anfangen kannst oder nicht, ist egal – denn die beschriebenen Erlebnisse solltest Du auch kennen. Um so faszinierender, dass Patanjali bereits vor zweitausend Jahren einen so alltagsnahen Leitfaden verfasst hat.
Und das macht mich auf´s neue verliebt in Yoga. Das soviel mehr ist, als nur Asana. Das ich auf diese Weise auch üben kann, während ich lerne eine Mama zu sein.

Wo begegnet euch Yoga in eurem Alltag? Was denkt ihr über den Alltag mit Kind? Und gibt es nicht eigentlich schon genug Mama-Blogs?

Die Übersetzungen des Yogasutras stammen aus dem wunderschönen Klassiker von T.K.V. Desikachar das Du bestimmt auch im Bücherregal hast, oder? *Über Freiheit und Mediation – Das Yogasutra des Patanjali * – T.K.V. Desikachar * Verlag Vianova

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