Satya – oder für mehr Realness unter Mamas und auf der Yogamatte

satya

You are Superwoman! Wie leicht es einem doch fällt, dies über jemanden anderen zu sagen. Und wie schwer es manchmal ist, sich selbst als Superwoman zu sehen. 
Gestern kam ich auf den Spielplatz und es war die Hölle los. Das Gute daran war, dass ich gleich zwei Mamas mit ihren Minis traf, die ich kannte. Das Negative: Ich fühlte mich an diesem Tag wie gestorben – müde, Augenringe bis zum Bauchnabel, die Klamotten voller Flecken. Ein Kind das sich Tag und Nacht beschwert, nicht Kinderwagen fahren will, ein Wochenende mit zwei Hochzeitsfeiern und zwei Yogaklassen, eine davon ein Special, brachten mich an meine körperlichen, emotionalen und psychischen Grenzen. 

Ja, so kann sich das auch manchmal als Mama anfühlen. 
Und während ich so smalltalkte und mich umsah, die Mamas mit ihren tollen Haaren, makelloser Kleidung bewunderte – fragte ich mich, ob einige von ihnen wohl auch manchmal solche Gedanken haben. 
Fragen sich diese Mamas und Papas auch manchmal warum Vieles von dem, was sie sich für Schwangerschaft und Elternzeit vorgenommen hatten, nicht funktioniert? Oder wie sie auf die fixe Idee gekommen sind, überhaupt Kinder in diese Welt zu setzen? 

Warum wollte ich eigentlich nochmal Kinder?

Du kennst das sicher: Nicht alle reden so frei von der Leber weg auch über die Probleme die der Mama-Alltag manchmal mit sich bringt.
Vielleicht weil sie diese Probleme nicht haben. Oder weil sie es sich selbst oder ihrer Umgebung einfach nicht eingestehen können. Weil sie das Gefühl haben, ein gesellschaftlich erwünschtes Bild von sich ins Außen projizieren zu müssen. Oder aus ganz anderen Gründen. 
Treffe ich jemanden aus dem anderen Lager – dann fühlt sich das für mich an wie eine emotionale Frischekur. 
Heute unterhielt ich mich mit einer meiner Yogaschülerinnen. Wir sprachen über den Raum den die Kinder uns Stück für Stück von der Schwangerschaft an, nehmen. Bis eben nur noch ein winziger Teil für uns selbst übrig bleibt. Und sie gestand mir, dass auch sie sich nachts, wenn ihr Kleiner schreit, manchmal denkt: “Ich will gar keine Familie. Ich will einfach nur meine Ruhe.” 
Es tut so gut diese Worte zu hören – und ich danke ihr und stellvertretend allen anderen Mamas für ihre Offenheit – ihre “Realness”! 

Satya steht für Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit mit uns selbst und unserer Umwelt

Auch in der Yogaphilosophie gibt es diesen Begriff der “Realness” – also Authentizität. 
Die Begriffe Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit werden als “Satya” bezeichnet und dies ist eines der 5 Yamas, die der Weise Patanjali in seiner Schrift des Yoga Sutras formuliert. Mit den sogenannten Yamas stellt er “Regeln” auf, wie wir uns selbst innerhalb unserer Gesellschaft, im Außen verhalten sollten. 
Die 5 Niyamas bezeichnen Regeln des eigenen, persönlichen Lebensstils. 

Hier eine Mini-Übersicht der Yamas & Niyamas für Dich zum Download: 

Yamas und Niyamas

 

Satya – Wahrhaftigkeit sich selbst und anderen gegenüber, war also schon etwas dass Patanjali vor knapp 2000 Jahren beschäftigt hat. Und mich jetzt also auch beim Spielplatzbesuch. 
Der Yogi an sich, sollte sich also durch aufrichtiges, ehrliches Handeln auszeichnen. Das gilt nicht nur auf dem Spielplatz und im alltägliches Leben, (so wie wir es wahrscheinlich auch alle zuhause und im Religionsunterricht a la “Du sollst nicht lügen.” gelernt haben) sondern auch auf der Yogamatte. 
Es bedeutet in der Yogapraxis ehrlich zu sich zu sein und nicht ein bestimmtes Bild von sich vorgeben zu wollen. Es bedeutet durch Ehrlichkeit und das Schätzen der Wahrheit, eine Idee der “höchsten Wahrhaftigkeit” zu bekommen. 

In alten Schriften kann man nachlesen:

Sprich die Wahrheit (Satyam Vada). Sie allein triumphiert, nicht die Falschheit (Satyameva Jagate Naunritam). Wahrheit allein triumphiert, nicht Falschheit. Gott ist Wahrheit und diese muss durch das Sprechen der Wahrheit verwirklicht werden. Ein wahrhaftiger Mensch ist vollkommen frei von Sorgen und Ängsten und wird von Menschen geachtet. Das wahre Wort hat Kraft, die Tausende beeinflusst.

Wahrheit allein triumphiert. 

Was für ein wunderbares Versprechen, oder? Gehen wir also aufrichtig durch unser Leben, werden wir von Sorgen und Ängsten befreit werden. 
Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, stehe ich wahrhaftig für mich, meine Gefühle, meine Sorgen und Ängste, meine Bedürfnisse und meine Glaubenssätze und Werte ein, so ermutige ich auch andere dies zu tun. Ich ermögliche anderen so, mich besser zu verstehen. Fordere Empathie ein und fördere so das mitfühlende Verstehen in meiner Umwelt.  
Bin ich anderen gegenüber aufrichtig, so sorge ich für mehr Wahrheit und Ehrlichkeit in meinem Mikrokosmos – was sich ebenfalls auf den Makrokosmos auswirkt. 

Meine Tipps für mehr “Satya” im Yoga-Mama-Leben:

  1. Die Wahrheit sprechen – Sich trauen Dinge auszusprechen tut gut. Dein Mut wird durch das Verständnis Deiner Umwelt belohnt. Und es findet sich meist jemand, dem es genauso geht wie Dir – geteiltes Leid ist halbes Leid.
  2. Sei ehrlich zu Dir selbst. Kenne Deine Wünsche und Deine Bedürfnisse und trau Dich diese auch zu kommunizieren und durchzusetzen.
  3. Sei Du selbst – alle anderen gibt es schon.” Versuchst Du eine Fassade aufrecht zu erhalten, eine Maske die unecht ist? Glaube an das wunderbare, lichtvolle Selbst in Dir und trau Dich andere daran teilhaben zu lassen. Niemand muss eine “Super-Mama” sein – jeder, wirklich JEDER! hat mal schwache und mal starke Momente.
  4. No Gossip! Keine Vorurteile! Keine vorschnellen Bewertungen!
    Ja, andere Mamas füttern nur selbstgeerntetes Gemüse oder lassen ihr Kind am Tablet spielen oder filzen ihre Unterhosen selber oder haben alles von Fisher Price zuhause… So what! Solange Kinder geliebt werden und nicht zu schaden kommen, hat alles je nach Perspektive seine Berechtigung.

Eine Yogini und Mama die einfach bezaubernd echt über die schönen und schrecklichen Dinge im Yoga-Mama-Alltag spricht, ist Ranja Weis. In dem Interview, dass ich für Karma-Mama.de mit ihr führen dürfte ist sie ganz offen und ehrlich und macht einfach Mut! Lest hier unbedingt mal rein! 

Wie leicht oder wie schwer fällt es Dir immer aufrecht und authentisch – als Mama oder Yogini zu sein? Ich bin gespannt!

 

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