Pranayama in der Schwangerschaft – no or go?!

Pranayama Schwangerschaft

Ich habe während meiner Schwangerschaft gerne Pranayama geübt. Allerdings war ich, gerade während des ersten Trimesters, sehr vorsichtig und habe mich zu dieser Zeit auf die tiefe Bauchatmung beschränkt.
In meinen Yogaklassen für Schwangere setze ich auch hin und wieder Pranayama ein, dass über die tiefe Bauchatmung hinausgeht. Auch deshalb, weil ich den Atem für DEN Schlüssel zur Geburt halte.
Ich habe mich aber immer wieder gefragt, wieso das so ist und was ich sonst noch in der Schwangerschaft ganz unbesorgt üben kann – gerade, wenn ich schon Erfahrungen mit Pranayama habe.
Weiterhelfen konnte mir Anita von Mami Yoga aus der Nähe von München. Sie hat eine fundierte Ausbildung in Pranayama und sich ganz auf Yoga für Schwangere und junge Mütter spezialisiert.
Zu guter Letzt hat Anita, dann ganz ohne es zu wissen, ganz genau beschrieben, warum ich mich mit diesem Blog- & Herzensprojekt dem Thema Yoga für Mamas in allen Lebenslagen, widme… Lest selbst!

Anita Gessulat

Liebe Anita, Du sagst über Dich selbst, dass Yoga Dir geholfen hat, die Geburt Deiner Kinder als größtes Glück zu empfinden. Welche Rolle hat Pranayama dabei gespielt?

Anita: Eine große Rolle!
Die tiefe und ruhige Atmung hat mir geholfen ein ausgeglichenes Gemüt und einen klaren Geist zu entwickeln.
Ich habe die Aufmerksamkeit auf meinen Atem gelenkt und ihn dazu eingesetzt um mich zu beruhigen. Besonders entspannend ist es, wenn man doppelt solange aus- wie einatmet.

Welche Pranayama kann ich in der Schwangerschaft uneingeschränkt üben?

Anita: Sanftes Pranayama, wie den Ujjayi Atem, auch ozeanische Atmung genannt, gibt Schwangeren viel Sauerstoff.
Nadi Shodana, die Wechselatmung und die tiefe Bauchatmung bringen die Sorgen um die Zukunft im Geist zur Ruhe.
Bhramari Pranayama, das Bienensummen gibt gute Laune.

Warum profitieren mein Baby und ich von Pranayama?

Anita: Die Atmung beeinflusst das Nervensystem. Wenn wir im Stress sind, atmen wir wenig oder machen unbewusste Atempausen. Die Wirkung der Flachatmung auf das Nervensystem ist deutlich negativ. Die einfachste therapeutische Yogaübung gegen Stress und Angst ist die langsame und entspannte Tiefenatmung. Davon profitiert die Mutter und das Baby. Ist die Mutter entspannt, ist auch das Baby entspannt. Das Gleiche gilt selbstverständlich auch nach der Geburt 😉

Die Fokussierung des Geistes auf die Atmung hat den Vorteil, dass der Geist vom Nachdenken abgelenkt ist. So kann man sich gut auf die Geburt konzentrieren oder zurückziehen.

Kann das jede Frau üben – und was sollte dabei beachtet werden?

Anita: Frauen die vor der Schwangerschaft Yoga geübt haben, können problemlos Pranayama üben. Frauen die noch nie Yoga geübt haben, kennen die Pranayama-Übungen nicht. Deshalb sollten sie auf jedem Fall mit einem erfahrenen Yogalehrer die Atemübungen erlernen.

Gibt es Pranayama das mir bei Schwangerschaftsbeschwerden helfen könnten?

Anita: Gegen Sodbrennen helfen kann die bewusste tiefe Zwerchfell/-Bauchatmung helfen. Die Ein- und die Ausatmungen sollten möglichst gleich lang sein. Diese bewusste Atmung löst körperliche und mentale Anspannungen und kräftigt den Ösophagussphinkter (unterer Schließmuskel der Speiseröhre), so dass der Rückfluss der Magensäure in die Speiseröhre reduziert werden kann.

Gegen Ängste und Nervosität kann Nadi Shodana, die Wechselatmung, die tiefe Bauchatmung und Bhramari Pranayama helfen.

Und wie kann ich Pranayama während der Geburt einsetzen?

Anita: Für die Geburt ist es entscheidend, dass man tief, lange und entspannt atmet. Denn so spart man Kraft und Energie und die Geburt fällt einem leichter.
Die Ausatmung kann man verlängern mit dem Tönen der Vokale A, O, U.

A-Wirkung auf den Herzbereich/Herzchakra,
O-Wirkung auf den Bauchbereich/Nabel und Solarplexuschakra,
U-Wirkung auf das Wurzelchakra, Beckenboden,Geburtskanal

Die Vokale helfen, den Kiefer und damit automatisch den Unterleib locker zu lassen. Ist der Kiefer locker und entspannt, so verhält sich auch der Muttermund unter der Geburt gelöst. Ist der Kiefer weit und locker, so lassen auch die Muskeln des Beckens los und die Geburt geht viel leichter und weniger schmerzhaft voran.

Manchen Frauen ist das Vertrauen in das Frausein und in die Natur abhanden gekommen 

Du unterrichtest in Deinem Studio “Mami Yoga” in der Nähe von München werdende Mama´s und junge Mütter – was möchtest Du ihnen mit auf ihren Weg geben?

Anita: Eine Schwangerschaft, eine Geburt, dass Muttersein sind ganz wundervolle und einzigartige Erlebnisse. Oftmals können sich Frauen jedoch gar nicht richtig auf das Thema einlassen, da Ihnen das Vertrauen in das Frausein und in die Natur abhanden gekommen ist. Viele Frauen haben das Gefühl für sich selbst verloren. Deshalb ist es wichtig und toll, dass Frauen den Weg zum Yoga finden. Yoga ist eine großartige Möglichkeit wieder zurückzufinden zu dem eigentlichen Selbst. Zurück zur Intuition und zum Vertrauen in das Göttliche. Die Natur sorgt schon für uns. Frauen haben schon immer Kinder auf die Welt gebracht und tun dies auch heutzutage noch in fernen Ländern, ganz natürlich ohne Kreissaal und Ärzte und Schläuche, PDA und Co. Im tiefsten Inneren hat jede Frau dieses Können, dieses Vertrauen fest verankert. Mit diesem Wissen können wir uns entspannt fallen lassen und das Wunder der Geburt mit Freude erleben. Yoga hilft dabei den Körper wieder wahrzunehmen, auf seine Signale zu hören, und sogar Vorgänge im Körper bewusst zu steuern. Nicht zuletzt gibt es jeder Schwangeren Mittel und Möglichkeiten an die Hand, frei Entscheidungen voll Vertrauen in sich selbst zu treffen, sich zu entspannen und sich auf eine Geburt vorzubereiten.

Vielen Dank für das Interview, liebe Anita!

Mami Yoga

Anita Gessulat unterrichtet Yoga in Vaterstetten/Baldham, in ihrem Studio Mami Yoga.  Sie ist ausgebildete, zertifizierte Yogalehrerin (RYS 200, Yogatherapie Ausbildung, Weiterbildung Pre- und Postnatal), MBSR Lehrerin/Achtsamkeitslehrerin, und Atemtherapeutin mit Pranayama-Weiterbildung. Die Mutter von zwei Mädchen ist durch viele verschiedene Yogastile gereist und praktiziert seit 2007 Yoga. Wenn Du mehr über Anita erfahren willst, dann schau doch mal bei ihr im Studio vorbei oder besuche sie auf Facebook.

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