Partner-Yoga für Eltern & Kinder – Interview mit Sonja Zernick über ihr Buch “Komm, wir machen Yoga!”

Eltern-Kind-Yoga

Was für eine Power-Frau! Als ich auf Sonjas Website über ihre Weiterbildungen und Projekte las, war ich schwer beeindruckt. Zusätzlich zu ihrer Leitung des Yoga- & Entspannungszentrums Hannover, bildet sie Yogalehrer aus, leitet eine mobile Yogaschule für Kinder und hat nebenbei auch noch drei eigene kleine Yogis zuhause.
Sie ist außerdem die Schöpferin eines völlig neuen Yogastils: Eltern-Kind-Yoga und hat zu diesem Thema das Buch “Komm, wir machen Yoga!” verfasst.
Ausgehend von ihrem eigenen Bedürfnis entwickelte sie diese Methode, bei der Eltern gemeinsam mit ihrem kleinen Yogis wertvolle Zeit auf der Matte verbringen können. 

Das Buch “Komm, wir machen Yoga!” ist ein reicher Schatz an Übungen für die ganze Familie und ich freue mich, dass ich der Autorin ein paar Fragen rund um Yoga, Familienalltag und ihr Buch stellen durfte.

Komm, wir machen Yoga!

Liebe Sonja, warum war es Dir ein Bedürfnis das Buch “Komm, wir machen Yoga!” zu schreiben?

Sonja: Die Idee zum Eltern-Kind Yoga ist eigentlich aus der Not heraus entstanden: Mein Sohn war damals 5 Jahre alt und ich war auf der Suche nach einem gemeinsamen Yogaangebot. Ich habe recherchiert und konnte aber nichts finden, so habe ich also selbst als Erste in Deutschland das Eltern-Kind-Yoga ins Leben gerufen.
Die Idee zum Buch kam letztlich von einem teilnehmenden Papa der Mediendesigner ist. Bei einem Kinderyoga-Geburtstag  sprach er mich an: “Sonja, lass uns ein Kinderyogabuch schreiben!” – ich sagte darauf hin: “Nein, Kinderyogabücher gibt es schon genug – wir machen ein Eltern-Kind-Yogabuch!” Wir haben uns dann an die Arbeit gemacht und als wir das Konzept dem Südwest Verlag vorgestellt haben, wurde es gleich positiv aufgenommen. Weil es eben auch ein ganz neues, innovatives Konzept ist, dass es so bisher noch nicht gab.

Nachdem ein Papa letztlich den Anstoß zu Deinem Buch gegeben hat: Kommen denn eigentlich mehr Mamas mit ihren Kindern in Deine Workshops und  Ferienseminare – oder sind auch ein paar Papas dabei?

Sonja: Vor allem in den Yogaferien ist es bunt gemischt: Da sind die Mamas, die häufig den Anstoß geben, aber auch Papas dabei – natürlich auch Alleinerziehende Elternteile mit ihren Kindern. Man kann also nicht sagen, dass hier das eine oder andere überwiegt.

Und was erwartet mich als Teilnehmerin und meine Familie in den Yogaferien?

Sonja: Morgens beginnen wir mit Yoga für die Erwachsenen während die Kinder liebevoll betreut werden, frühstücken und spielen oder Schatzsuche machen.
Am Nachmittag üben wir dann gemeinsam Yoga. Die Familienyogastunden sind so aufgebaut, dass sie spielerisch in eine Geschichte verpackt sind. Wir machen sehr viele Partnerübungen, weil es mir wichtig ist, dass der körperliche Kontakt im Vordergrund steht. Außerdem gibt es Massagen, Fantasiereisen oder auch mal einen Tanz.

Machen Deine Kinder denn auch selbstständig und alleine Yoga oder übt ihr immer noch häufig gemeinsam?

Sonja: Mein älterer Sohn Robin, der mittlerweile 19 Jahre alt ist, war eigentlich immer mit dabei, denn das Eltern-Kind-Yoga habe ich ja für ihn entwickelt. Heute zwar nur noch als Statist oder Helfer, aber auch meine jüngeren Kinder wachsen da mit rein. Meine beiden Bücher habe ich geschrieben, während meine Kinder noch im Bauch waren. Wenn ich zuhause Yoga mache, kommen sie auch mit auf die Matte. Meine kleine Tochter Johanna konnte gerade sprechen, da sagte sie schon “Yoga” und streckte dazu die Beine in die Luft. Auch bei den Yogaferien sind sie mit dabei – allerdings nur solange sie es gut aushalten, weil sie ja noch relativ klein sind.

Dann hast Du bestimmt schon Yoga geübt, bevor Du Mutter geworden bist?

Sonja: Nein, ich habe damals angefangen, als Robin klein war und kam eher durch meine berufliche Tätigkeit als  Rhythmik- und Sprachtherapeutin in einem Zentrum für gehörlose Kinder, dazu. Dort stand ein Kinderyogabuch im Regal, welches mir vorher noch nie aufgefallen war und ich habe die Übungen dann mit den Kinder ausprobiert. Anschließend habe ich mit meinem Sohn geübt und auch kleine Yogakurse bei uns zuhause gegeben und so ist es dann immer größer geworden.

Gibt es in einer Großfamilie mit 3 Kindern auch manchmal nicht so “yogische” Momente und wie gehst Du damit um?

Sonja: Als Yogalehrer oder Mensch mit einem Gesundheitsberuf hat man eine gewisse Vorbildfunktion und auch die Teilnehmer wollen uns gesund, fröhlich und stark sehen. Mir ist es aber wichtig alle Facetten des Lebens auch zeigen zu dürfen. Durch eine Borreliose-Erkrankung leide ich unter starken Schmerzen und die kann ich in meinem Alltag auch nicht wegdenken – aber mein Yogahintergrund hilft mir, damit anders umzugehen. Mit bestimmten Übungen und dem Atem kann ich mich den Schmerzen anders widmen.
Dennoch kann auch ich mal ausrasten, wenn mal etwas richtig schief geht – ob Yogalehrer oder nicht, davor ist keiner gefeit. Im Nachgang sage ich mir jedoch immer “Weine nicht über vergossene Milch.”

Du leitest die mobile Yogaschule “Der kleine Yogagarten”, das Yoga und Entspannungszentrum Hannover-Bothfeld, bietest Workshops für Familien und Yogaferien an, bildest Kinderyogalehrer aus, hast einen Kindergarten mit Schwerpunkt Yoga gegründet, hältst Vorträge und Seminare und bist Autorin. Wo bleibt da noch Raum für eine eigene Yogapraxis? Und wie sieht diese aus?

Sonja: Das schöne an meinem Beruf ist, dass er mich ungemein erfüllt. Natürlich kann ich das Yoga in meinen Stunden nicht mit einer persönlichen Praxis vergleichen. Zweimal die Woche mache ich Pilates, Zumba und Faszientraining als Ergänzung zum Yoga. Manchmal wenn morgens wenn alle noch schlafen und Zeit ist, dann stelle ich mich auf die Matte.
Meine Arbeit als Yogalehrerin und -Ausbilderin ist mein Lebenselixier. Hier bin ich total fokussiert und konzentriert und es strengt mich nicht an.

Das Projekt Kindergarten mit Schwerpunkt Yoga, welches Du 2011 ins Leben gerufen hast, ist innovativ in Deutschland? Welche Erfahrungen habt ihr bisher gesammelt? 

Sonja: Die Erfahrungen haben gezeigt, dass die Kinder von den Yogaangeboten unglaublich profitieren. Außerdem gibt es sehr gute Rückmeldungen von Eltern und Erziehern.
Zum Yoga gehören ja nicht nur die körperliche Übungen. Es gibt zum Beispiel morgens eine Befindlichkeitsrunde und durch das gegenseitige Zuhören und Erfragen “Wie geht es mir? Und warum?” gehen die Kinder viel wertschätzender miteinander um.

Abschließend noch eine Frage: Hast Du ein persönliches Mantra für Dein Leben als Mami-on & -off the mat?

Sonja: Ein Mantra das ich immer wiederhole ist: “Ich bin gesund und glücklich und bin sehr dankbar, für das was mir in meinem Leben widerfährt.” Mich daran zu erinnern, tut sehr gut.

Vielen Dank für das Interview!

Mehr über die Arbeit von Sonja Zernick-Förster erfährst Du hier


Book-Review “Komm, wir machen Yoga!”

Komm, wir machen Yoga!

“Komm, wir machen Yoga!” von Sonja Zernick-Förster aus dem Südwest Verlag überrascht mit einer völlig neuen Methode des Yogas: Partnerübungen für Eltern und ihre Kinder. So wird Yoga zur Quality-Time für die ganze Familie.

Viele Bilder, bunte, warme Farben, kindgerechte Illustrationen nehme ich beim ersten Durchblättern wahr. Die mitwirkenden Eltern und ihre Kinder scheinen viel Freude beim Ausführen der Übungen zu haben und mit Eifer dabei zu sein.

Im ersten Teil des Buches beschreibt die Autorin ihren Weg zu diesem ganz eigenen Yogastil und stellt auch dar, wie sich dieser von anderen Richtungen des Yoga unterscheidet.
Hier hebt sie auch hervor, dass es nicht darum geht die Haltungen möglichst korrekt oder gar perfektionistisch auszuführen, sondern darum gemeinsam Zeit zu verbringen. Auch am Beispiel ihrer eigenen Kinder beschreibt sie, wie Kinder vom gemeinsamen Üben profitieren können – wenn beispielsweise Kinder über 8 Jahre die körperliche Nähe zu den Eltern genießen, diese aber im Alltag nur selten einfordern würden.
Nach vorbereitenden Hinweisen zu den benötigten Materialien, Räumlichkeiten und Rahmenbedingungen folgen die 8 themenbezogenen Einheiten.
Diese sind zum einen durch Fotos der Haltungen und durch Illustrationen begleitet. Die kindgerechten Bilder und Zeichnungen entführen die kleinen Yogis in die, von der Autorin geschaffene Zauberwelt.
Die Themen wie Zauberwelt, Zauberschloss, Drachenjagd und Hexenkessel sprechen Jüngere wie Ältere und auch Jungen und Mädchen gleichermaßen an.
Bei den einzelnen Haltungen wird auf Sanskritbezeichnungen verzichtet und eine einfache, für Kinder verständliche Sprache verwendet. Es wird die Ausführung der Übung und die Wirkung erklärt.
Bei den Übungen sind meine persönlichen Highlights ganz klar das “Wurzelgewirr”, die “Spinne” oder die “Zauberpunschmassage”. Es handelt sich also nicht unbedingt um klassische Asanas aus dem Hatha Yoga, sondern kindgerechte Adaptionen. Die Übungen forcieren das gegenseitige Berühren, Halten, Unterstützen und somit das “sich, auf den anderen einlassen und vertrauen” können.

In Teil Zwei des Buches werden Übungen für den Alltag vorgestellt. Diese sind nicht nur ganz praktisch gedacht – wenn das Kind schon länger an den Hausaufgaben am Schreibtisch sitzt, sondern auch gegen das eine oder andere kleine Wehwehchen. Ich kann mir gut vorstellen, die einzelnen Übungen als Rituale, zum Beispiel vor dem Zubettgehen, in den Familienalltag einzuflechten.

Die Autorin ist nicht nur selbst Yogalehrerin sondern auch Erzieherin und Initiatorin eines besonderen und einmaligen Projekts in Deutschland: Ein Kindergarten mit dem Schwerpunkt Yoga. In ihrer eigenen Yogaschule in Hannover und ihrer mobilen Yogaschule für Kindergärten und Schulen unterrichtet sie Erwachsene, Kinder und Jugendliche. Das Partneryoga für Eltern und Kinder steht auch im Mittelpunkt, bei den von ihr durchgeführten Yogaferien für Familien.

Für mich ist die Besonderheit des Buches ganz klar, dass es sich hierbei um kein “normales” Kinderyogabuch handelt, sondern das ausschließlich Partnerübungen vorgestellt werden. Dieser Fokus auf das gemeinsame Yoga üben ist das Wertvolle, das dieses Buch vermitteln will.
Als Pädagogin finde ich es ebenfalls vorstellbar, die Übungen nicht nur zuhause mit den Kindern durchzuführen sondern auch in den Schulalltag einzubauen.
Das größere Format des Buches liegt gut in der Hand und auch Kinder finden sich im Buch gut zurecht. Die beiliegende Audio-CD ist praktisch, wenn man für die Entspannungsübungen nicht blättern und vorlesen will, sondern sich einfach anleiten lassen möchte.
Die Kommentare von Yogaschülern der Autorin verleihen dem Buch Lebendigkeit: Die Art des Unterrichtens von Sonja Zernick-Förster wird so gut vorstellbar und man bekommt Lust, sich für die nächsten Yogaferien anzumelden.

One Reply to “Partner-Yoga für Eltern & Kinder – Interview mit Sonja Zernick über ihr Buch “Komm, wir machen Yoga!””

  1. Das Buch nutze ich auch super gerne mit meinen Mädchen! 🙏

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