Mein Baby ist pures Sattva!

Gunas

Vor kurzem habe ich mein schlafendes Baby betrachtet: Sein friedlicher Gesichtsausdruck, sein tiefer, ruhiger Atem, sein kleiner Körper – alles wirkte so völlig harmonisch auf mich. Als würde er mit seinen knapp 9 Monaten völlig in sich selbst ruhen.

 Am Tag bewundere ich ihn und fühle, dass er immer in seiner sprichwörtlichen “Mitte” ist. Etwas, das viele Erwachsenen verloren haben, versuchen wieder zu finden und häufig so bei Yoga landen. 
Sein Interesse an der Welt ist immer da und er kann es kaum erwarten alles um ihn herum zu erfahren, förmlich aufzusaugen.
Seine Augen klar und gesund, die einem direkt in die eigenen Augen sehen und von dort noch weiter. Seine Haut so strahlend, weich und rein. 
Niemals könnte so ein Baby in irgendeiner Form “falsch” sein. In allen Handlungen folgt er seinem inneren, irgendwie “göttlichen” Plan. 
Während ich also meinen kleinen Guru so bewunderte, dachte ich mir:
“Babys sind pures Sattva!” 

Sattva – was?

Hast Du schon mal von den Gunas gehört? Es gibt drei von dieser Sorte, sie entstammen der Yoga-Philosohpie – genauer gesagt der Samkhya, sie kommen als Eigenschaften einfach überall in der Natur vor und so also auch in uns, als Form unseres Bewusstseins. 
In der Yogalehrer-Ausbildung habe ich mehr über diese Typisierung gelernt, die sich zum Beispiel auf Lebensmittel, auf alles Natürliche und eben auch auf Menschen anwenden lässt. 

Wir besitzen immer alle drei Gunas: Da wäre einmal Tamas – die Schwere und Trägheit, Rajas – die Dynamik, Bewegung und Sattva – die Reinheit, das Licht.
Durch Yoga, Meditation, eine entsprechende Ernährung und eine karmisch-bewusste Lebensweise nähern wir uns immer mehr dem Zustand des Sattvas an – mit dem Ziel irgendwann ganz dieses reine, strahlende Bewusstsein zu besitzen. 

Tamas ist mehr so Jogginghose und Pizza

Jeder hat wohl mal “tamasische” Momente in seinem Leben. Faule Sonntag, an denen man bis 16 Uhr im Jogginganzug rumläuft und dann Pizza vor dem Fernseher isst und Tatort guckt.
Oder Du fühlst Rajas in dir auflodern, fühlst Dich aufgeladen mit Energie, willst raus, Dich bewegen, etwas starten.
Und manchmal kriegst Du auch eine Idee von Sattva, wenn Du Dich mit Deinem inneren, höchsten Selbst verbindest und spürst, dass da keine Trennung ist, zwischen Dir und der Welt, sondern nur Einheit.

Sattva up your life!

Wie kannst Du jetzt mehr Sattva in Dein Leben bringen?
Im Yoga sagen wir, mehr Sattva erreichen wir durch Meditation, sattvische Ernährung, durch das Studieren der Yoga-Philosophie und durch tugendhaftes Verhalten.
Vor allem Letzteres ist etwas, das wir vielleicht auch von unseren Babys lernen können. Nämlich zu handeln, ohne über die Folgen unseres Handelns nachzudenken, eben nicht etwas Spezielles damit erreichen zu wollen und nur auf die Folgen unseres Handelns fokussiert zu sein. (Stichwort: Karma!)
Den Weg gehen wir, indem wir anhand von Rajas, das Tamasische in uns bekämpfen, um irgendwann bei Sattva anzukommen.
Sattva haben wir erreicht, wenn wir immer völlig in der Liebe sind.
Wenn wir Mitgefühl haben, selbstlos sind, wenn wir inneren Frieden gefunden haben. Wenn wir unser Ego zerstört haben und im Einklang mit der Welt sind.

Durch Essen zu mehr Reinheit

Willst Du Dich über die Ernährung ins Gleichgewicht bringen, solltest Du auf Folgendes verzichten: Fleisch und Alkohol sind Beispiele für “tamasische” Lebensmittel, scharfe Gewürze, Kaffee und Tee erhöhen Rajas. Leuchtet ein, oder?
Sattvische Lebensmittel sind beispielsweise Getreide, Hülsenfrüchte, frisches Obst und Gemüse sowie Milchprodukte. Besonders sattvisch ist Ghee – die geklärte Butter.
Ich habe im Sivananda Ashram Tirol vor einigen Jahren einen schönen Kochkurs zu dem Thema gemacht. Gerade in dieser sehr spirituellen Yogatradition spielen die Gunas eine große Rolle, speziell im Ashram sind tamasische und rajasische Lebensmittel selbstverständlich verboten, da sie uns auf dem Weg Sattva zu erlangen, hindern.

Heute Tamas, morgen Rajas, übermorgen Sattva

Übrigens habe ich dann noch über einen weiteren Vergleich philosophiert: Wenn Babys also Sattva sind – dann rangieren pubertierende Jugendliche wohl ständig irgendwo zwischen Tamas und Rajas – also Chillen und Rumhängen oder sich gegenseitig verkloppen. Und ich selbst? Habe natürlich auch hin und wieder sattvische Momente, aber auch Rajas und Tamas gewinnen ab und zu die Oberhand.
Es ist wie immer im Leben, ein Wechselspiel zwischen verschiedenen Qualitäten. Umso besser, dass ich Yoga in meinem Leben habe und mir, mit meinem Wissen um die Gunas, ihrer Wirkung bewusst werden kann. 

Und Du? Wo findest Du die Gunas Tamas, Rajas und Sattva in Deinem Leben? Oder hast Du zufällig auch ein Sattva-Baby zuhause?

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