“Diese Schwangerschaft zeigt mir, dass nichts planbar ist” – Interview mit Amiena Zylla und Verlosung

Manche Frauen faszinieren mich einfach mit ihrer Power und ihrem Eifer – so auch Amiena Zylla. Sie ist Yoga- und Pilateslehrerin und Gründerin von Faszien Yoga aus München und bekannt durch mehrere Bücher, ihre Kolumne im Yoga Journal und natürlich durch ihre YouTube-Videos. Als ich über ihr Instagram-Profil erfahren habe, dass sie ein Kind erwartet, habe ich mich sehr gefreut: wieder eine Yoga-Mama!
Als sie mir dann noch zusagte, ein Interview zu geben, war ich total begeistert. Und das obwohl sie wirklich bis zu letzt schwer beschäftigt war.
Nun wird es nicht mehr lange dauern, bis ihre kleine Tochter auf die Welt kommt. Was sie für Gefühle und Gedanken über ihre Schwangerschaft und die bevorstehende Geburt hat, erfährst Du in einem sehr persönlichem Interview. Zu gewinnen gibt es übrigens auch etwas, Amienas aktuelles Buch “Yoga Basics”! 

Liebe Amiena, ich freue mich sehr für Dich – Du bist schwanger – herzlichen Glückwunsch!
Mitte Juni habe ich Deine Faszienyoga Klasse auf dem Namasté Yoga Festival am Ammersee besucht. Da ahnte ich natürlich noch nichts.

Wie ist es für Dich, schwanger zu sein und trotzdem noch Deine Yogaklassen, Workshops und Projekte weiterzuverfolgen? Fällt es Dir leicht oder schwer?

Amiena: Leider fällt es mir ziemlich schwer, denn wie befürchtet hat mich die Übelkeit eingeholt, die immer noch zu meinem Alltag gehört. Hinzu kam ein etwas zu starker Druck nach unten, das mich auf Anraten von meiner Ärztin dazu gezwungen hat, ausgebuchte Faszien Yogaausbildungen und Retreats in Deutschland, Österreich und Schweiz, abzusagen.

Ich dachte, dass ich ganz normal mit allem weitermachen kann, aber ich wurde eines Besseren belehrt.

Trotzdem ist es mir zumindest gelungen die Yogalehrer- und Faszien Yoga Ausbildung in meinem Studio in einem großen Sitzsack zu Ende zu führen. Auch meine Stunden habe ich noch bis vor Kurzem abgehalten, bis meine Ärztin mich bekniet hat, jetzt Anfang 9.Monat aufzuhören und in den Mutterschutz zu gehen. Ich bin aber auch ganz froh über die Entscheidung, denn ich habe immer noch einiges zu tun, u.a. mein nächstes Buch fertig zuschreiben und das Studio für die Zeit meiner Abwesenheit zu organisieren.

Die Schwangerschaft ist ja eine sehr magische, spannende und individuelle “Reise”. Auch die Yogapraxis kann sich verändern, vieles was immer ging, geht jetzt nicht mehr.
Was sind Deine persönlichen “No-Gos” in der Yoga- und auch Pilatespraxis?

Amiena: Schon vor meiner eigenen Schwangerschaft hab ich jahrelang Schwangere unterrichtet und Fortbildungen für Yogalehrer angeboten und schon da war mein Motto: „Sanftes Üben“. Jetzt merke ich mit meiner eigenen Schwangerschaft wie wichtig es ist, nicht an der alten Praxis anknüpfen zu wollen. Achtsamkeit steht jetzt mehr denn je an erster Stelle. Kein extremes Dehnen, keine Umkehrhaltungen oder Stützübungen, die den Bauch zu sehr beanspruchen, auch keine schnellen Flows. Pilates habe ich noch nie und empfehle ich auch nicht in der Schwangerschaft. Die Methode ist wunderbar für die Rückbildungsphase, aber für mich ein absolutes „No-Go“ während der Schwangerschaft.

Und welche Yoga- oder Achtsamkeitsübung rettet Dich nach einem anstrengenden Tag?

Amiena: Mir zu erlauben nicht zu üben, einfach nichts zu tun. Auch das musste ich erst herausfinden und vor allem akzeptieren. Anfangs habe ich noch versucht dagegen anzukämpfen, bis meine kleine Tocher, die gerade in mir heranwächst, mich gebremst hat.

Viele kennen Dich durch Deinen eigenen YouTube-Channel. Dort gibt es tolle kleine Yoga- und Pilates-Einheiten zu den verschiedensten Themen.
Wird es jetzt auch noch mehr zum Thema Yoga und Pilates in der Schwangerschaft und Rückbildung geben?

Amiena: Oh ja, das steht noch auf meiner Liste. Ich möchte auf jeden Fall 2-3 Videos für Schwangere drehen. Nur weiß ich nicht, ob ich es wirklich noch während der Schwangerschaft schaffen werde.

Du hast bereits einige Bücher über Yoga verfasst. Mir gefallen die innovativen Flows aus Deinem Buch “Yoga für die Faszien” aus dem Bruckmann Verlag und Dein Faszien Yoga Konzept aus dem GU Verlag total gut! Aber kann man eigentlich auch Faszienyoga in der Schwangerschaft üben?

Amiena: So sehr Faszien Yoga mein Herzensthema ist, empfehle ich es eher nicht während der Schwangerschaft und wenn, dann nur sehr reduziert. Ich habe selbst während meiner Schwangerschaft erlebt, dass es z.B. einen zu starken Druck im Bauch auslösen kann. Bei Faszien Yoga geht es darum, dass man maximale Dehnpositionen einnimmt oder eben das Bindegewebe mit der Faszienrolle bearbeitet. Da unsere Faszie auch unsere Organe umhüllt und einen starken Einfluss auf unser Hormonsystem hat, muss man hier wirklich aufpassen.

Amiena Zylla

Du hast dieses Jahr ein neues Buch veröffentlicht: “Yoga Basics”. Dein Tenor im aktuellen Buch ist die Individualität des Einzelnen – auch auf der Matte – war dir das besonders wichtig?

Amiena: Ja, sehr! Auch wenn ich selber in den Medien aktiv bin, finde ich vieles von dem, was gezeigt wird sehr irreführend ist und man bekommt schnell den Eindruck, dass der Handstand oder andere herausfordende Haltungen Yoga ist. Für manche, die mit Yoga anfangen wollen kann das ziemlich demotivierend sein und das hat auch nichts mit dem Unterrichts-Alltag zu tun. Ich unterrichte hauptsächlich Yoga Anfänger bei mir im Studio. Seit über 24 Jahren unterrichte ich Bewegung und weiß wie wichtig ist, dass Teilnehmer auf ihren Körper hören und ihre Grenzen respektieren sollen. Jeder Körper ist anders! Wenn man das beim Yoga üben erkennt und akzeptiert, dann macht man auch wirklich Yoga.

Nach welchem Prinzip hast Du die 30 Basic-Asanas ausgesucht?

Amiena: Da ich hauptsächlich Anfängerklassen unterrichte und dadurch weiß, was in ihrem Rahmen möglich ist und was nicht, wusste ich welche Haltungen ich für das Buch auswählen möchte. Mit den vorgestellten Übungen erleben Yoga Einsteiger ein Mischung aus Kraft, Beweglichkeit und Entspannung, ohne überfordert zu werden.

Du bist in Südafrika aufgewachsen. Dein Vater ist Deutscher und Deine Mutter Südafrikanerin mit indischen und arabischen Wurzeln. Nun lebst Du in München. Was denkst Du, wird Dich in Deinem Leben als Mutter und in der Erziehung aus mit diesem bunten, kulturellen Hintergrund beeinflussen?

Amiena: Ja, auf jeden Fall. Zumindest würde ich mir das sehr wünschen und ich glaube, dass es sich auch gar nicht vermeiden lässt, denn dieser kulturelle Hintergrund ist ein Teil von mir und ich glaube, dass es ganz automatisch passieren wird. Es wird auf jeden Fall spannend, denn mein Mann ist ein typischer Hamburger.

 

Diese Schwangerschaft zeigt mir definitiv, dass nicht alles planbar ist und man nun mal nicht alles in der Hand hat, genauso wie die Geburt.

Wie bereitest Du Dich eigentlich auf die Geburt vor? Hast Du da eine Wunschvorstellung?

Amiena:Ich habe mit meinem Mann einen Hypno-Birthing Workshop besucht, da ich gemerkt habe, dass ich doch sehr große Angst vor der Geburt habe und gehofft habe, dass mir diese Art von Geburtsvorbereitung die Angst etwas nimmt. Ob das wirklich so sein wird, kann ich natürlich erst beurteilen, wenn es soweit  ist. Ich lese gerade auch ein Buch, das mir etwas hilft. Klar habe ich Wunschvorstellungen, wie Licht, Stimmung oder was ich für ein Geburtsteam gerne hätte oder, dass die Geburt sich nicht zu sehr in die Länge ziehen soll.  Trotzdem werde ich ganz offen in die Geburt gehen und mich nicht verkrampfen, dass sie so ablaufen soll, wie ich sie mir vorstelle. Wenn ich das Gefühl habe, ich schaffe es nicht ohne PDA oder es kommt doch aus irgendeinem Grund zu einem Kaiserschnitt, dann ist es so. Ich habe mir immer vorgestellt, dass ich eine total fitte Schwangere werde, die bis zum Schluss ihre Yogapraxis machen wird und mehr oder weniger aus dem Yogaunterricht in den Kreißsaal geht. Tja, die Schwangerschaft ist geprägt von Dauerübelkeit und anderen Schwierigkeiten, die hier und da auftauchten. Ich glaube, dass dies schon die beste Geburtsvorbereitung ist, denn diese Schwangerschaft zeigt mir definitv, dass nichts planbar ist und man nun mal nicht alles in der Hand hat, genauso wie die Geburt. Und trotzdem werde ich alles geben, dass diese Stunden, wieviele es auch sein werden, für die Kleine, meinen Mann und mich ganz besondere werden.

Man muss wirklich stark sein und bei sich bleiben, dass man sich nicht zu sehr von der Außenwelt beeinflussen lässt.

Noch eine weitere private Frage: Ich hätte es selbst ja nie geglaubt, aber Du bist tatsächlich 42 Jahre alt. In Deutschland zählt man da als Schwangere zu einer Risikogruppe. Wie fühlt sich das für Dich an und hast Du den Zeitpunkt für die Familienplanung bewusst gewählt?

Amiena: Ich habe schon gemerkt, dass das Thema „Risikoschwangerschaft“ und Alter immer wieder für mich ein Thema war und die Angst das Kind zu verlieren immer wieder Teil des Alltags war. Sobald irgendetwas war, hat man sich gleich große Sorgen gemacht, denn in dem Alter schwanger zu werden ist nicht ganz so einfach. Man muss wirklich stark sein und bei sich bleiben, dass man sich nicht zu sehr von der Außenwelt beeinflussen lässt.
Mit dem Gedanken eine Familie zu gründen haben mein Mann und ich gespielt als wir 38 waren, kennengelernt haben wir uns mit 37. Bei mir war aber beruflich so viel los, sodass ich noch etwas gezögert habe. Heute würde ich das anders machen. Aber auch hier versuche ich eher yogisch zu denken, dass es so kommen sollte und nicht anders.
Doch eines kann ich auf jeden Fall sagen: Ich bin unendlich dankbar, dass es geklappt hat. Denn ich weiß, dass es nicht selbstverständlich ist. Ich danke dieser Kleinen jeden Tag dafür, dass sie existiert. 

Meine letzte Frage: Gibt es irgendein besonderes Mantra das Dich durch die Zeit Deiner Schwangerschaft begleitet?

Amiena: Tatsächlich mein Slogan, mit dem ich auch seit ein paar Jahren ein Konzept ausarbeite: Let Your Body Smile®. Ich habe wirklich auf mein Körper hören müssen und versucht immer wieder mein Körper zum Lächeln zu bringen und er hat mir das Lächeln auch wieder genommen, wenn ich nicht auf ihn gehört habe und doch meinte, ich könne noch alles schaffen!

Liebe Amiena, für die weitere Zeit der Schwangerschaft, Geburt und das Ankommen mit Baby wünsche ich Dir alles, alles Gute und ich danke Dir von Herzen, dass Du Dir Zeit für ein Interview genommen hast!

Ein stylisches Standard-Werk über Yoga! 

Du bist Einsteiger oder unterrichtest Anfänger im Yoga? Dann bist Du mit Amienas aktuellem Buch “Yoga Basics” aus dem GU Verlag richtig beraten!

Die erfahrene Yogalehrerin beginnt in der Einleitung des Buches mit einer schönen Metapher:

Für mich ist Yoga wie ein Lieblingssong, den ich mir anhöre, wenn ich einen kleinen Energieschub brauche, mich ein bisschen erholen oder auf neue Ideen kommen möchte.

Insgesamt wählt sie eine Sprache, die mich an ein angenehmes und offenes Gespräch über Yoga erinnert.
Zu Beginn gibt es eine kleine Mini-Einführung in die Welt des Yogas. Und dann geht es gleich an die Praxis:
Amiena hat 30 Asanas ausgewählt und stellt diese prägnant vor – es gibt keine komplizierten Erklärungen und dennoch wird nichts Essentielles weggelassen.
Besonders gut gefällt mir, dass nicht nur ein Foto der Endpose sondern auch der Weg zum Ziel per Bild dokumentiert wird.

Finde Dein Yoga!

Die wichtigsten Basis-Übungen werden durch kleine Flows ergänzt. Du findest zu verschiedenen Themen zum Beispiel “Atempause” oder “Perspektivwechsel” kurze knackige fließende Abfolgen.
Wer jetzt noch mehr will, legt sich die beiliegende DVD ein mit über 70 Minuten Laufzeit.
Wer Amienas Videos kennt, weiß wieviel Spaß es macht von ihr durch Yoga-Flows begleitet zu werden.
Zum Schluss des Buches findest Du eine Aufstellung von interessanten Büchern und auch praktischen Links und Adressen, auch das finde ich für Anfänger wirklich hilfreich.

Mich überzeugt Amienas Tenor im Buch:

Alles darf sein!

Zum Beispiel wenn es um die Ausübung der einzelnen Yogahaltungen geht, dabei unterstützt sie den Leser mit kleinen Tests zur Beweglichkeit und individuellen Anatomie des Übenden. Diese machen deutlich, dass unsere Körper völlig individuell sind und dies auch beim Yoga üben berücksichtigt werden sollte. (Wer dazu mehr wissen will, guckt mal in Amienas Kolumne im Yoga Journal!)
Aber auch in der Herangehensweise an andere Elemente wie Mediation darf sich der Leser herauspicken was gefällt.
So hilft die Autorin mit diesem Buch “Dein Yoga” zu finden.

Mir gefällt außerdem auch die Gestaltung des Buches: die Aquarell-Illustrationen erinnern mich irgendwie an das Logo von Karma-Mama – insgesamt ist das Buch einfach schön! Tolle, sehr ästhetische Bilder ohne die Funktion zu vernachlässigen. Zugegeben: Das Cover-Foto hat mich zuerst ein wenig stutzen lassen, ist die Autorin in einer eher herausfordernden Asana zu sehen, aber der Inhalt ist zu 100% Basic.

Mein Fazit:

Den Anfängern meiner Yogaklassen würde ich Amienas Buch sofort ans Herz legen, weil sie ganz undogmatisch und locker die Grundlagen des Yogas vermittelt.
Mit dem Buch zu arbeiten soll Spaß und Lust auf mehr machen und das tut es!

Amiena Zylla

Deine Chance: Gewinne eines von zwei Exemplaren von “Yoga Basics” – mache einfach bei meinem aktuellen Facebook-Gewinnspiel mit! 

Vielen Dank an den GU-Verlag für die Bereitstellung der Verlosungsexemplare!

Du willst noch mehr über Amiena erfahren – über ihr Yoga oder aktuelle Veranstaltungen und Weiterbildungen?

Dann guck doch mal hier:

www.amienazylla.com
www.amienaswerkstatt.de
www.youtube.com/amienazylla
www.instagram.com/yoga_pilates_amiena
www.facebook.com/zylla.amiena

 

Foto Credit: Susanne Schramke

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