Hypnobirthing – Ein Kurs im Loslassen von Gastautorin Anne Imrich

Hypnobirthing

Anne ist Yogalehrerin, dreifache Mama und Hypnobirthing Kursleiterin aus Nürnberg. In ihrem Gastbeitrag erzählt sie von ihrem Weg zu weniger Angst vor der Geburt und von dem Prozess des wirklichen Los-Lassens durch Hypnobirthing.

Unsere Tochter und ich hatten eine wunderbare, leichte, schnelle Geburt und wir haben uns mit der Hypnobirthing – Methode vorbereitet. Immer häufiger werden Hypnose und Entspannungstechniken zur Angst- Schmerzlinderung und -vermeidung in vielen Bereichen eingesetzt. Die Hypnobirthing Methode ist relativ neu in Deutschland – in den USA und England wird sie seit den 80er Jahren erfolgreich angewendet.

Nach zwei nicht einfachen Geburten, hatte ich oft das Gefühl, etwas nicht „richtig“ gemacht zu haben

Die Schwangerschaft mit meiner Tochter war meine dritte – wir hatten davor schon zwei Geburten erlebt. Diese verliefen nicht ganz einfach, wir haben damals alles getan was wir konnten und wussten. Dies unterschied sich nicht von Geburtserzählungen, die ich kannte und auch nicht von meiner eigenen Geburt.
Ich hatte zwar lange mit den körperlichen Folgen  des Dammschnitts zu tun, aber ich konnte beide Kinder sofort stillen und sie entwickelten sich prächtig.
Allerdings hatte ich selbst oft das Gefühl, etwas nicht „richtig“ gemacht zu haben.
Und bei der dritten Schwangerschaft merkte ich, dass ich wirklich anhaltende Angst vor dieser Geburt hatte, obwohl ich mich sehr gut vorbereitet fühlte. Ich hatte eine erfahrene und kompetente Hebamme und auch meine Frauenärztin war zuversichtlich, dass beim dritten Kind alles einfacher sein wird. Doch meine zehn Prozent Zweifel blieben bis fast zum letzten Trimester.

Eine sanfte und leichte Geburt wünscht sich grundsätzlich jede Frau

In meiner Prenatal-Yoga Ausbildung hörte ich zum ersten Mal von der Idee des Hypnobirthing, konnte aber mit dem Hypnosebegriff nicht wirklich etwas anfangen. Und ich fand auch nicht, dass es sich wesentlich in der Oberfläche von anderen Konzepten unterschied.
Eine sanfte und leichte Geburt wünscht sich grundsätzlich jede Frau.
In der 32. SSW unterhielt ich mich mit einer Bekannten. Sie hatte nach zwei Kaiserschnitten in ihrer dritten Schwangerschaft gemeinsam mit ihrem Mann die Geburtsvorbereitung nach Hypnobirthing geübt. Sie war so überzeugend, dass ich nach einer Woche Überlegen entschied es zu versuchen. Mein Mann und ich hatten keinen Geburtsvorbereitungskurs bei den Hebammen geplant und wir sahen es auch vor allem als gemeinsame Zeit für das Baby und uns. Wir bekamen vier private Sitzungen bei Barbara Spitzauer in Regensburg und übten mit ihr Entspannungssequenzen, Atemtechniken und erhielten sehr fundiertes Wissen über weibliche Anatomie und Geburt allgemein.

Ich ignorierte konsequent alle entwicklungshemmenden Einflüsse in Richtung Geburt

Ich wurde immer zuversichtlicher– meine Einstellung änderte sich merklich. Ich lernte bewusst auf emotionaler Ebene meine Ängste loszulassen, damit ich ebenfalls körperlich entspannt sein kann. Und umgekehrt bewusst Spannung in meinem Körper loszulassen und so wieder mein Denken zu beruhigen. Auch das ich das Recht habe, negativen Gedanken hinsichtlich der Geburt einfach keinen Raum zu geben, wurde für mich zum Türöffner.
Ich ignorierte konsequent alle entwicklungshemmenden Einflüsse in Richtung Geburt. So entstand für mich ein Kreislauf, bei dem es für mich immer eine Lösung gab. Loszulassen – auf allen Ebenen und zu meiner inneren positiven Einstellung zurückzukommen – dies ist einer der wichtigsten Punkte im Hypnobirthing.

Wie kann ich im Geburtsprozess “Los-lassen”?

Wenn es der Frau gelingt ihren Geist, das rationelle Denken zu beruhigen und aktive, angenehme Bilder hervorzurufen, dann haben der Körper und das Baby die Möglichkeit ihre Arbeit zu tun. Die Geburt ist ein zutiefst archaischer körperlicher Prozess, bei dem unsere oft auch unbewusste, natürlich angelegte Fähigkeit zu Gebären zum Vorschein kommt. Diese Kraft kann überraschen. Und der beste Weg ist dann bewusst Loszulassen – komplett ins Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, den eigenen Körper, das Baby, in die Geburtsatmosphäre um uns herum zu gehen. Dies braucht Wissen und vor allem Übung – und Menschen, die die Frau mit diesem Wissen achtsam begleiten. Wenn dies gelingt, wird eine Geburt zu einem tiefgreifend schönen Ereignis für alle Beteiligten.

Der Moment der Geburt 

Unsere Tochter nahm uns dann die Entscheidung für den Geburtsort ab und kam in ihrem Geburtsmonat, an ihrem Geburtstermin zur Welt. Ich war sehr dankbar für all die Jahre Yogapraxis in Verbindung mit der Hypnobirthing-Methode, für meinen Mann und unser Kinder und unsere Hebamme, die genau im richtigen Moment zur Stelle waren.

Was ich als Mutter am meisten lerne – ergebnisoffen mit Achtsamkeit im Hier und Jetzt zu handeln

Kann man nun sagen, die Kurskosten für die Hypnobirthing-Methode haben sich gelohnt? Ja. Würde ich allen Schwangeren nun diese Methode empfehlen? Ja. Kann ich aus eigener Erfahrung ableiten, dass mit Hypnobirthing alle Geburten sanft und leicht „gelingen“? Nein.
Denn meine tiefste Überzeugung ist, dass Schwangerschaft, Geburt und auch Kindererziehung als Prozess gesehen werden darf, der keinerlei Normen oder Verallgemeinerungen unterliegen kann. Ich kann nicht vorhersehen, dass das was ich hineingebe auch genau das Ergebnis erzielt, dass ich mir vorstelle. 
Ich denke, das ist das, was ich als Mutter am meisten lerne – ergebnisoffen mit Achtsamkeit im Hier und Jetzt zu handeln.

Für ein positives Geburtserlebnis, sollten wir alles verfügbare Wissen nutzen

Es gibt Wissen, dass uns Frauen (Männern, Kindern und Familien) hilft, durch diese Phasen zu kommen und das bereits Vielen vor uns geholfen hat. Und es gibt Methoden wie z. B. Hypnobirthing. Die Hypnobirthing-Philosophie vereint viele Ansätze zu einer leicht nachzuvollziehenden, sinnvollen und anwendbaren Methode. Mich hat sie unterstützt meinen Weg der Schwangerschaft mit weniger Angst und mehr Wissen und Vertrauen in meinen Körper zu Ende zu gehen. Bis zur Geburt und danach.

Anne Imrich, geb. 1981 ist Mutter von drei Kindern, Yogalehrerin mit Schwerpunkt Schwangerschaft und Rückbildung, zert. Hypnobirthing – Kursleiterin und diplomierte Sozialpädagogin (FH) aus Nürnberg. 

Anne hat 2010 eine 200H Yogaausbildung absolviert, bildete sich 2012 bei Sue Elkind in Pre- & Postnatal Yoga weiter und unterrichtet nach einem  Anusara-Teacher Training bei Barbra Noh 2014 als Anusara Elements Teacher. Seit 2016 ist sie zertifizierte Hypnobirthing Kursleiterin. 

Ihre Hypnobirthing & Yogakurse für Schwangere & Mütter gibt Anne in Nürnberg  an verschiedenen Kursorten – mehr über Anne & ihr Angebot erfährst Du auf BodyMindConcepts oder auf Facebook.

Übrigens: Als Bild für diesen Beitrag haben Anne und ich die hinduistische Göttin Kali gewählt. Trotz (oder gerade auf Grund) ihrer zerstörerischen Kraft gilt Kali als die Ur-Mutter – Kali Ma und wird für ihre Gnade, Kraft zur Erneuerung und für das Schenken des Lebens in der hinduistischen Tradition verehrt. Mit ihrer Sichel zerschneidet Kali die Verbindungen die nicht mehr dienlich sind und das passt auch sehr gut zum Thema Loslassen, oder?

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