Elefanten, Hyänen und wilde Löwen – Andrea Helten über Kinderyoga und ihr Buch “Yoga für Dich und Dein Kind”

Auf Instagram gibt es ja eine ganz herrliche Community unter den Yoga-Mamas. Mit dabei ist eine, die sich ganz dem Kinderyoga verschrieben hat: Andrea Helten aus Berlin und apropos “Schreiben” – ein Buch hat sie diesem Thema auch gewidmet.
Ich durfte ihr Buch lesen (Vielen Dank für das Rezensions-Exemplar an dieser Stelle!) und möchte euch heute ein bisschen was über “Yoga für Dich und Dein Kind” verraten – aber vorher soll Andrea auch noch zu Wort kommen:

Liebe Andrea, hättest du früher gedacht, dass du mal als Kinderyogalehrerin auf der Matte stehst?

Ehrlich? Nein, niemals! Als ich noch beim Musikfernsehen war, hätte ich mir allein ein Leben als Mama nicht träumen lassen. Aber Dinge gehen ihren natürlichen Weg – und heute denke ich, dass alles so kommen musste. Und da ist noch etwas: Meine Mama ist früh gestorben, da war ich noch ein Kind. Ich hatte leider nicht lange eine tiefe Beziehung zu meiner Mutter. Insofern glaube ich, dass ich mit meiner Arbeit als Kinderyoga-Lehrerin oder auch Eltern-Kind-Yoga-Lehrerin meiner Tochter ein Stück weit das gebe, was ich selbst leider nicht erleben durfte….
Andrea Helten und ihre Tochter Lily voll in Action 

Warum ist Kinderyoga kein Kinderturnen?

Oh, das ist ganz leicht: Weil es beim Kinderyoga nicht um die körperliche Beweglichkeit geht! Es geht darum, kleine Achtsamkeitsspiele zu lernen, um die Sinne zu schärfen. Oder darum, in seinen Körper hineinzuspüren: „Wie fühlt sich das drinnen an, wenn ich atme?“ – „Wo kann ich meine Wut/Freude/Aufregung körperlich spüren?“ „Warum hilft es mir, zur Ruhe zu kommen, wenn ich das „Mut-Mudra“ (siehe „Yoga für dich und dein Kind“) mache? Es geht darum, sich in ein Chamäleon, einen Berg, einen Flugsaurier zu verwandeln – körperlich ja, aber auch geistig. 

Irgendwas ist ja als Mama immer … Wie hilft dir Yoga da weiter?

Das Tolle an Yoga ist ja, dass es alle Menschen da abholt, wo sie stehen: Der eine will seine Kraft fühlen, der andere möchte die Energie aufsteigen spüren…. Bei mir persönlich ist immer viel los, was allein schon daran liegt, dass ich mehrere Jobs habe. Daher hilft mir persönlich Yoga perfekt, um mich zu erden. Ich versuche, regelmäßig zu meditieren. Um mich wieder mit mir zu verbinden.

Wie positioniere ich mich eigentlich als Kinderyogalehrerin, wo Kinder doch eh schon viel Freizeitstress aushalten müssen und die Wirkung des Yogas dem Wunsch der Eltern nach „Selbstoptimierung“ entgegen kommt?

Machen wir uns nichts vor: Die meisten Eltern schicken ihre Kinder zum Yoga und erhoffen sich davon etwas. Das ist aber bei den Eltern, die ihre Kinder zum Geigenunterricht oder zum Hockey oder Kinderturnen (!) schicken, ja auch nicht wirklich anders. Natürlich kommt es vor, dass Eltern vor mir stehen und etwas von „ADHS“ und „damit sie nicht mehr so zappelig ist“ erzählen. Das Gute ist: Kinderyoga ist nicht gleich Kinderyoga. Jeder Lehrer hat da sein eigenes Rezept. Mal geht es mehr in Richtung Wellness – mit Massagen, Basteln und so -, mal ist es diszipliniert. In meinem Kinderyoga-Unterricht können die Kinder sich kreativ mit einbringen. Ich mache Angebote, und wir setzen die Stunde gemeinsam um. Dadurch ist es lebendig, und der Yoga ist es auch. Kurzum: Die Kids können so sein, wie sie eben sind. Und der eine baut nebenbei seine Spannungen ab, weil wir eine wilde Herde Elefanten oder Hyänen sind, während die andere bei der Übung „Wonder Woman“ sich den Mut für ihren Alltag holt. Solch ein Yogaunterricht im Moment setzt vom Lehrer ein gutes Auge voraus und eine gehörige Portion „Im-Moment-Sein“. Aber ich glaube, dass man so allen Kids gerecht wird. Und weniger den Wünschen der Eltern. 

Was ist denn deine Lieblingsübung aus dem Kinderyoga?

In meinen Stunden erfinden die Kids immer wieder Yogaübungen. Wir hatten schon die Gottesanbeterin, den Dieb oder Ironman. Ich persönlich mag es eher schlicht: Ich liebe den Hund!
 Andreas Tochter und Yogini Lily 

Fernsehredakteurin mit Hang zum Yoga 

Du willst mehr über Andrea Helten wissen?
Dann guck mal hier auf ihre Seite Kinderyoga Berlin – sehr spannend! 
2005 begann Andreas Yogaweg der sie bis zum Kinderyoga geführt hat.
Sie gibt auf ihrer Seite nicht nur Tipps für Kinderyogalehrer und stellt Stundenbilder zur Verfügung, sondern schreibt auch als Bloggerin über die Themen aus dem Kinderyoga die sie beschäftigen. 
Schreiben ist generell ihr Ding, eigentlich ist sie nämlich Redakteurin beim Fernsehen und hat schon Pink und Nelson Mandela interviewt.
Mit Tochter, Mann und zwei Katzen lebt sie in Berlin, Weißensee. 

Und nun zu Andreas Werk  und der Frage: Ist Yoga ohne Kinder, eigentlich “Richtiges Yoga?!”

In ihrer Einleitung hat mir Andrea erst mal den Kopf zurecht gerückt:
Denn Menschen die skeptisch fragen, ob Kinderyoga überhaupt “Richtiges Yoga” sei, bekommen von ihr auch schon mal die Antwort: “Ob denn Yoga ohne Kinder überhaupt “Richtiges Yoga” sei?!” Ähm, ich hatte mich glaub ich auch schon mal so über Kinderyoga geäußert… Aber Andrea erklärt aus ganzem Herzen wo der Wert des Kinderyogas liegt und das Yoga mit Kindern selbstverständlich auch Yoga ist.
Denn schließlich, so fährt sie in den Erklärungen über Patanjalis Niyamas und Yamas fort, ist Yoga auch mehr als nur Asana. Die Werte die Patanjali hier vor knapp 2000 Jahren festgelegt hat, können genauso auch für ein friedliches Familienleben gelten.
Ganz anders als im Yoga für die Erwachsenen werden die Kinder in den Haltungen auch nicht korrigiert, “da der Fokus (…) auf dem Erleben liegt.”
Andrea hat für die Hintergrundinformationen über die wissenschaftlichen Belege über die Wirkung und den Einsatz von Kinderyoga gut recherchiert, die Hintergrundinformationen sind wirklich sehr interessant!
Aus dem Buch “Yoga für Dich und Dein Kind” 
Im Praxisteil des Buches stellt die Autorin verschiedene klassische und ganz neue Asanas für Kinder unter den drei Schlagworten “Loslassen”, “Verbinden” und “Stärken” vor. Meine Favoriten sind ganz klar die “Wortmaschine”, der “Wutspruch” und der “Mut-Flow” – denn diese Übungen sind einfach wunderbar kindgerecht und orientieren sich an der Lebenswirklichkeit der jungen Yogis. Auch den “Herzöffner” und die “Schokomeditation” möchte ich gerne ausprobieren.
Aus dem Buch “Yoga für Dich und Dein Kind” 
Im Untertitel des Buches heißt es “Gemeinsame Übungen für mehr Gelassenheit und eine starke Eltern-Kind-Bindung” – Auch dafür hat Andrea sich tolle Sachen überlegt: wunderbar beziehungsstiftend für Familien sind für ganz klar Übungen wie “Komplimente PingPong” oder die gegenseitigen Massagen.
 
Der praktische Part des Buches wird abgerundet von weiteren Tipps: Yoga in der Natur zu suchen und zu finden oder die Glücksmomente im Familienalltag aufzuspüren zum Beispiel.

Mein Fazit:

Ich habe mich bei Kinderyoga ja lange gewehrt, aber Andrea hat mich tatsächlich umgestimmt! Anhand ihres Buches kann ich mir jetzt viel besser vorstellen, wie so eine Kinderyogastunde ablaufen kann und (noch viel wichtiger) habe tolle Ideen und Inspirationen an die Hand bekommen, wie ich Yoga im Familienalltag einsetzen kann – sehr wertvoll und einfach schön!

Möchtest Du ein Exemplar des Buches gewinnen? Dann guck mal schnell auf meine Facebook-Seite!

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