Atme Dich gelassen und glücklich – von Gastautorin Sunita Ehlers

Wechselatmung

Kennst Du diese Tage: Der Atem stockt wenn sich Deine Schwiegermutter ankündigt, Du an Wäscheberg zuhause denkst, wenn Du Dich erinnerst, was noch auf der To-Do-Liste steht, wenn ein Kindergeburtstag veranstaltet werden soll, Du die Steuernachzahlung im Briefkasten findest, der Hund zum Tierarzt muss und Du eigentlich noch Haare waschen wolltest…
Sunita Ehlers, Bloggerin, Mama und Yogalehrerin hat einen Tipp für Dich: Probier´es doch mal Atemübungen – also Pranayama in Deinen Alltag einzubauen! Welches DAS Pranayama für Mama ist und was der Atem so noch alles kann verrät sie Dir in ihrem Gastbeitrag. Vielen Dank, Sunita!

Atmung so meint man, sollte eigentlich von ganz alleine ablaufen.

Atmung ist essentiell und ein natürlicher Prozess im Körper, den man eigentlich gar nicht beeinflusst könnte man denken. Aber ganz so einfach ist es nicht. Atmung dient dem Gasaustausch, jeder Muskel im Körper und die Organe werden mit Sauerstoff versorgt, allerdings kannst Du sehr wohl das Atmen üben. Im Yoga nennt man dieses Pranayama; die Zusammenführung von Körper und Geist durch Atemübungen. Es gibt mehrere Übungen, die auch oder gerade als Mutter wertvoll sind, denn gerade kurz nach der Geburt (und auch manchmal viel später noch) fühlt man sich doch irgendwie so gar nicht wie man selbst, so gar nicht geerdet oder gar nicht ausgeglichen. All den Emotionen die aufkommen wenn Du ganz frisch Mutter bist , den Launen Deines Teenagers oder dem oftmals stressigem Alltag mit vielen Kindern kannst Du mit der richtigen und vor allem ruhigen Atmung gelassen entgegen stehen. Die bewusste Regulierung der Atmung sowie ein ganz achtsames Atmen lässt Dich neu mit Energien aufladen und Dich zur Ruhe bringen.

Im Yoga sagt man das die Atmung der Träger und Übermittler der Lebensenergie (Prana) ist, Prana durchzieht den gesamten Körper und stellt eine Verbindung von Körper und Geist dar.

Es ist zwar nicht so, das man Pranayama überhaupt nicht üben muss, aber dennoch sind viele Übungen relativ leicht umzusetzen und einfach zu lernen. Es geht letztendlich um eine bewusst kontrollierte Atembewegung durch Einsatz der entsprechenden Muskelgruppen.

Eine Technik, die Dir hilft Deine Atmung bewusst wieder wahrzunehmen um auch in hektischen Situationen gelassen zu bleiben.

Als Mutter ist der Atem sozusagen oberste Priorität

Wichtig ist es, nichts zu erzwingen. Achte auf Deine eigenen Grenzen und übe mit Bedacht. Langsam und beständig. Die Atemtechnik die ich Dir hier erkläre, heisst Anuloma Viloma oder auch die Wechselatmung.

Übe zu Beginn vielleicht am Morgen, direkt nach dem Aufstehen, mit leerem Magen für einige Minuten und dehne die Praxis dann nach und nach aus.
Jede Übung sollte sich leicht anfühlen, damit die Energie im Körper fliessen kann und somit emotionale und körperliche Blockaden sanft gelöst werden können. Der Sitz sollte bequem und fest sein.

In einer der ältesten Yoga Aufzeichnungen, dem Yoga Sutra des Patanjali heisst es dazu

स्थिरसुखमासनम्
sthira-sukham-āsanam
sthira = kraftvoll, fest, hart, unbewegt, stabil
sukham = bequem, angenehm, genuss, leicht, entspannt
āsanam = Haltung, Sitzstellung
„Die Körperhaltung sollte Stabil und angenehm sein.“ oder
„Der Sitz ist fest und leicht.“

Die Wechselatmung hilft Dir dabei, Deine Energiekanäle im Körper zu harmonisieren. Die beiden Hauptkanäle Ida und Pingala verlaufen rechts und links an der Nase entlang bis unten zum Beckenboden und kreuzen sich im Bereich der Chakren jeweils. Die Hauptenergiebahn, die Shushumna beginnt am Beckenboden und führt die Wirbelsäule entlang nach oben und endet dann in der Kopfkrone. Ida und Pingala stehen jeweils für bestimmte Dinge, wie zum Beispiel Mond, rechte Gehirnhälfte, kühlend, passiv, unorganisiert (Ida) und Sonne, linke Seite des Gehirns, wärmend, dynamisch, nach aussen gerichtete Energie (Pingala).

Es gilt also die beiden Kanäle zu harmonisieren, sodass Dein Körper energetisch im Lot ist, sodass Dein Körper die Lebensenergie durch den Körper transportieren kann.
Ida und Pingala sind nicht immer gleichbleibend aktiv, sie verändern ihren Zustand von ganz alleine im Laufe des Tages immer mal wieder. Dennoch kannst Du mit der Wechselatmung beide Kanäle in den Einklang bringen.

Und so funktioniert Anuloma Viloma:

Setze Dich aufrecht hin an einem Ort an dem Du Dich wohlfühlst und Du für einen kurzen Moment nicht abgelenkt wirst. Gerne im Schneidersitz oder im Fersensitz.
Lege Deine linke Hand in den Schoß. Mit der rechten Hand klappst Du den Zeige- und Mittelfinger an Deinen Handballen, sodass Daumen, Ringfinger und kleiner Finger abstehen.
Der Daumen kommt an Dein rechtes Nasenloch, der Ringfinger an Dein linkes
Atme nun durch beide Nasenlöcher gleichmäßig ein und dann vollständig aus
Schließe dann mit dem Daumen das rechte Nasenloch und atme durch das linke ein. Schließe dann das linke Nasenloch, öffne rechts und atme aus. Dann atmest Du wieder durch das bereits offene, rechte Nasenloch ein und schließt es dann um das linke zu öffnen und links auszuatmen. Probier es einmal aus, es ist gar nicht so schwer.
Mache dieses abwechselnd ein paar Atemzüge in Deinem ganz natürlichem Atemrhythmus.
Ich empfehle Dir diesen Ablauf ein paar Tage zu wiederholen, jeweils für ein paar Minuten. (soll sich aber die gesamte Zeit gut anfühlen!) und dann nach einiger Zeit den Rhythmus zu verlängern. Das heißt, das Du Deine Atmung zählst (in Gedanken). Zu Beginn eventuell bis 4 und dann nach der besagten Zeit verlangsamst Du den Rhythmus und zählst jeweils ein wenig länger. (soll sich auch die ganze Zeit gut anfühlen, achte auf Deine Grenzen)

Es gibt noch andere Varianten der Anuloma Viloma, aber zu Beginn ist das zählen und verlängern der Ein-und Ausatmung vollkommen ausreichend um Deine Energiekanäle zu harmonisieren.

Das bringt Dir die Wechselatmung

Die Wechselatmung hilft Dir dabei die Lungenkapazität zu erhöhen, die Atmung zu kontrollieren. Die Nasendurchgänge werden sanft geöffnet, dies wirkt harmonisierend auf alle Körpersysteme.
Die Nadis (Energieleitbahnen) im Körper, wovon es ca. 72.000 gibt werden aktiviert und harmonisiert, sodass Prana sich im gesamten Körper ausbreiten kann.
Außerdem fördert Nadi Shodhana die Konzentration (die als Neu-Mama ja oftmals geschwächt ist) und hilft Dir zu innerer Ruhe und Kraft zu kommen. Emotionale Ungleichgewichte werden aufgelöst.

Ich wünsche Dir ganz viel Spaß am Ausprobieren. Namastè Sunita

Sunita Ehlers

Foto: Irina Zamora Photography

Sunita Ehlers, Yogalehrerin (EYRT /AYA) und aktive Referentin der 200 Std. Yogalehrerausbildung, Mutter, Yogini und Bloggerin aus vollem Herzen. Sunita liebt es, ihre Erfahrungen weiterzugeben, zu schreiben und zu praktizieren. Yoga in allen seinen Facetten und Formen bereichert ihr Leben jeden Tag auf` s Neue. Yoga ist so viel mehr als einfach „nur“ zu turnen. Yoga ist für jeden was und ungemein vielfältig, Yoga lässt Dich so sein, wie Du es brauchst und das zu jeder Tageszeit. Und ganz genau das liebt Sunita am Yoga.

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